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Druckhaus Gera GmbH: Wenn Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt sind

OTZ 21.12.2015 - 07:15 Uhr 

 
Unternehmen in Ostthüringen

Es sind nicht nur die großen Namen, die die Unternehmerlandschaft in Ostthüringen prägen und ausmachen. Auch viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches für die Volkswirtschaft. Manchmal sind sogar heimliche Gewinner, sogenannte Hidden Champions, darunter. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Am Montag: Druckhaus Gera GmbH

„Die Zeit der Alleinunternehmer ist vorbei“. Das sagt Uwe Kaiser im Brustton der Überzeugung. Der 61-jährige Hauptgeschäftsführer der Druckhaus Gera GmbH hat das Unternehmen 1993 mit gegründet. Seine Erkenntnis erklärt er mit der rasanten technischen Entwicklung. „Ich könnte mir nicht vorstellen, in allen Bereichen Entscheidungen zu treffen“, sagt er. Deshalb bildet eine Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft das Rückgrat des Unternehmens und tritt als Inhaber auf. Sie wurde von Mitgründer Jürgen Taudien ins Leben gerufen und sogar schon als „Geraer Modell“ bezeichnet. 

Sechs Gesellschafter aus den eigenen Reihen
Heute bilden sechs Mitarbeiter diese Gesellschaft. Sie erkauften sich mit Stammkapital nicht nur Anteile, sondern auch Verantwortung. „Alle Beschlüsse in den 22 Jahren wurden einstimmig gefasst“, berichtet Kaiser. „Das steht so nicht in der Satzung, aber wir haben das hingekriegt“, sagt sein 45-jähriger Geschäftsführerkollege Uwe Hartmann. Beide gehören zu den Inhabern. Wichtig sei das Mischen von Alt und Jung, Männer und Frauen. „Aus dieser Reibung ergibt sich Fortschritt“, so Kaiser.
   Hauptgeschäftsführer Uwe Kaiser (links) und Geschäftsführer Uwe Hartmann vor dem Druckhaus Gera, das 2003 nahe der Autobahnanschlussstelle Gera neu gebaut wurde. Foto: Sylvia Eigenrauch  Hauptgeschäftsführer Uwe Kaiser (links) und Geschäftsführer Uwe Hartmann vor dem Druckhaus Gera, das 2003 nahe der Autobahnanschlussstelle Gera neu gebaut wurde. Foto: Sylvia Eigenrauch
  Von den gegenwärtig 60 Mitarbeitern haben 90 Prozent im Druckhaus gelernt. Ihr Altersdurchschnitt liegt bei 39,9 Jahren. Die Hälfte der Beschäftigten sind Frauen. Junge Mütter und Väter entlastet das Unternehmen bei den Kindertagesstättengebühren, indem es steuerfrei 50 Euro im Monat zahlt. Aktuell werden so die Plätze von sieben Kindern mit finanziert. Flexible Arbeitszeiten außerhalb des Drei-Schicht-Systems räumt das Unternehmen jungen Eltern ein. Leistungsgerechte Löhne, Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden abhängig vom Jahresergebnis gezahlt. 

Neues Bild Hauptgeschäftsführer Uwe Kaiser (links) und Geschäftsführer Uwe Hartmann vor dem Druckhaus Gera, das 2003 nahe der Autobahnanschlussstelle Gera neu gebaut wurde. Foto: Sylvia Eigenrauch

 

Zur Gesundheitsvorsorge werden jeweils im Frühjahr und im Herbst sechs physiotherapeutische Behandlungen angeboten. Dafür kommt die Physiotherapeutin ins Druckhaus. Inzwischen würden sich fast alle Mitarbeiter für die Behandlung außerhalb der Arbeitszeit eintragen, erzählt der Chef, der selbst auch seinen „Betonnacken“ behandeln lasse.
Die Inbetriebnahme des Druckereineubaus an der Autobahn im Jahr 2003 bildete eine Zäsur in der Firmengeschichte. Inzwischen wurde wieder neue Drucktechnik angeschafft und man entschloss sich in den vergangenen zwei Jahren für Unternehmensbeteiligungen im Digitaltdruck und bei einem Onlineportal. Dass Zeitungen noch bis 2023 im klassischen Offsetdruck hergestellt werden, weiß Uwe Kaiser aus seiner Tätigkeit im Medienausschuss des Industrie- und Handelskammertages. 
Obwohl die Digitalisierung auf dem Vormarsch ist, werde heute mehr gedruckt denn je, schätzt Kaiser ein. Weil die Branche angesichts eines Überangebotes an Drucktechnik in der Krise sei, müsste 16 Prozent mehr Papier bedruckt werden, um den gleichen Umsatz zu erzielen, hat Uwe Hartmann ausgerechnet. Ob das bedruckte Papier eine Zukunft hat? „Natürlich. Die Glaubwürdigkeit ist viel höher, wenn etwas Schwarz auf Weiß steht“, so Hartmann.
Oder in Farbe. Auch Künstler vertrauen auf das Handwerk der Drucker und Buchbinder, letztere nennt man heute Medienoperator Weiterverarbeitung. Künstlerkataloge füllen das Regal im Büro des Hauptgeschäftsführers. Vom Produkt waren einige so begeistert, dass sie den Machern eigene Werke schenkten. Ein solches ist „Senden – Empfangen“ von Marita Kühn-Leihbecher aus Wünschendorf, das mit Extra-Beleuchtung im Flur präsentiert wird. 
1800 Tonnen Papier werden im Jahr bedruckt, hauptsächlich für periodisch erscheinende Broschüren. Von der Visitenkarte über Flyer, wasserfeste Wanderkarten bis hin zu Plakaten und Büchern reichen die 6000 Aufträge im Jahr von rund 600 Kunden. Zu ihnen gehören Jenoptik und Zeiss aus Jena sowie Electronicon und Präzisionsoptik aus Gera. Neben Altenburg und Gotha sei Gera in Thüringen der einzige Standort, an dem im Format 70 x 100 gedruckt werden könne. 
Gegen den Trend haben die Geschäftsführer einen weiteren Kundenberater eingestellt. „Wir sind der Meinung, dass die Kundenberatung wieder auf das persönliche Gespräch setzt“, sagt Uwe Kaiser. Er nimmt die Gewissheit auch aus der Präsenz von Gesellschaftern im öffentlichen Leben von Gera. „Geschäfte werden dort gemacht“, meint er. Um Kunden im Raum Erfurt zu erreichen, gibt es eine Geschäftsstelle in der Landeshauptstadt. 
Das Unternehmen ist durch Uwe Hartmann in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen vertreten, Mitarbeiter wirken im Berufsbildungsausschuss und in den Prüfungsausschüssen der Kammer mit. 
Daneben unterstützt das Druckhaus die Theater in Gera und Altenburg, in Weimar und Erfurt, Museen und den Sport. Als Uwe Kaiser zum diesjährigen Jahresempfang von Stadt und Wirtschaft in diesem Sommer den Ehrenpreis von Geras Oberbürgermeisterin erhielt, erklärte der Geehrte, dass mindestens die Hälfte des Preises den Mitarbeitern gehöre. Der Spaß bei der Arbeit und die Offenheit, mit der gemeinsam angepackt werde, sei das Besondere am Unternehmen, sagt er und resümiert: „Das Geraer Modell ist die Grundlage unseres Erfolgs.“ 

 Sylvia Eigenrauch  /  21.12.15  /  OTZ

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